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Entdeckungen

Werke von Erich Itor Kahn im Theater Rigiblick
 
Erich Itor Kahn (1905-1956) hat grosse Musik komponiert - für die Schublade. Er war vor allem als Kammermusiker bekannt, scheute als Komponist aber die Öffentlichkeit. Er wirkte in Frankfurt, war als jüdischer Musiker 1933 zur Emigration nach Paris gezwungen, entkam 1941 den Nazi-Schergen knapp und emigrierte erneut, diesmal nach New York. Zu seinen engen Freunden zählte unter anderen der Schweizer Komponist und Dirigent Erich Schmid. Die Sopranistin Eva Nievergelt und der Pianist Tomas Bächli haben im Theater Rigiblick drei Werke Kahns zur Diskussion gestellt und sie in ein musikalisches Umfeld gebettet, das dem Komponisten entsprach: Es erklangen auch die «Dichterliebe» op. 48 von Robert Schumann und die zauberhaften fünf kurzen «Widmungen» op. 9 für Klavier von Erich Schmid.
Welch ausdrucksvolle, dichte Musik war hier zu erleben. Über die zwölftönige Struktur spannen sich weitere Netze von reichen motivischen, gestischen und klanglichen Bezügen, die eine Expressivität und Sinnlichkeit sondergleichen entfalten. Eine auch formal eigenwillige Musik, die streng und befreit zugleich wirkt. Wie Kahn die Singstimme führt, klingt heute noch frisch, so im «Schlaflied» (1942, Text: Hans Sahl) oder in den fabelhaften «Four Nocturnes» für Sopran und Klavier (1954), einem Höhepunkt des Programms. In den drei Bagatellen für Klavier op. 5b tastet er sich gleichsam neu an den Klavierklang heran. Dass der Abend zu einem Erlebnis wurde, ist auch der sensiblen und kommunikativen Musikalität von Eva Nievergelt und Tomas Bächli zu verdanken. Wie etwa die Sängerin die Sprache zum Klingen brachte, dass sich die Melodik mitunter fast opernhaft expressiv in den Raum spannen konnte und dennoch jedes Wort verständlich blieb, liess jenes glückliche Amalgam von Text und Musik entstehen, das grosse Liedkunst ausmacht. So konnte einem auch Schumanns «Dichterliebe» nahegehen. - An einem zweiten Abend im Theater Rigiblick, am 5. Februar um 20 Uhr, interpretieren die beiden zusammen mit dem Tenor Valentin Johannes Gloor drei Rilke-Lieder von Juan Allende-Blin, frühe Fassungen der «Gurrelieder» von Arnold Schönberg und Erich Itor Kahns «Lyrisches Conzert» nach Texten aus Rilkes «Duineser Elegien». Um 19 Uhr 15 gibt es eine Einführungsveranstaltung.

Alfred Zimmerlin

(Neue Zürcher Zeitung, 31.01.2008)

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