Tomas Bächli > Texte über Musik

Zum Tod von Herbert Brün (1918-2000)

Herbert Brüns Musik war mir seit längerer Zeit ein Begriff, nicht zuletzt durch seine zahlreichen Kompositionsschüler, mit denen ich in New York zusammen gearbeitet habe. Persönlich kennengelernt habe ich ihn erst wenige Wochen vor seinem Tod im Rahmen des ihm gewidmeten Three-Two-Festivals in New York. Der 82-jährige war äusserst gebrechlich, er sass in einem Rollstuhl mit einem Sauerstoffgerät, und jede physische Anstrengung war ein Problem. Alles was ihm noch blieb, war sein Verstand, die Unnachgiebigkeit seines Denkens und eine unbändige Lust zu provozieren.

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Komponieren im Niemandsland

„Der komponiert immer so verrückt - das kann ein Genie werden“, pflegte Alban Berg über seinen begabtesten Schüler zu sagen. Ein halbes Jahrhundert später schrieb Philip Herschkowitz in einem Brief an Heinrich Böll: „Ich darf  unbescheiden sein. Meine Unbescheidenheit ist das einzige, was ich in meinem Leben verdient habe. Und zwar redlich verdient.“

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Mit zuckersüssem Lächeln

Es gibt Musiker, die sich noch lange nach ihrem Tod einer allgemeinen Wertschätzung erfreuen. Jährt sich bei ihnen ein runder Geburts- oder Todestag, so ist das Anlass für zahllose Gedenkkonzerte, Symposien und Publikationen aller Art: Da melden sich die lebenden Kollegen und versichern der Allgemeinheit, was sie dem Verstorbenen alles verdanken und wie ihr eigenes Werk ohne seinen prägenden Einfluss schlicht undenkbar wäre.

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Unter (politischen) Stotterern

Musiker sind ungeeignet, über die von ihnen gespielten Werke ein klares Urteil zu fällen, dazu fehlt es an der Distanz. Lobpreisungen der gebotenen Kompositionen wirken bald einmal kontraproduktiv, denn statt verbaler Superlative erwartet man vom Interpreten, dass er sich mit seinem Können und seinem Engagement für die Musik einsetzt. Ich habe Giuseppe G. Englerts Inter Balbulos mit ähnlichem Vergnügen geübt wie Bachs Goldbergvariationen oder Saties Sports & divertissements.

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„Neue Probleme schaffen neue Lösungen“

Die Klavierwerke eines Komponisten werden gerne als besondere Einheit betrachtet. Man erhofft sich von den Werken für dieses Experimentalinstrument Aufschluss über die Eigenschaften und die Entwicklung eines Komponisten. Bei James Tenneys Klavierwerken fällt einem sofort die ausgesprochene Heterogenität seines Komponierens auf, jedenfalls was die klangliche Oberfläche seiner Stücke betrifft.

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Zum siebzigsten Geburtstag von Gerd Zacher

Gerd Zacher habe ich kennengelernt, als ich noch ein Kind war. Er war damals noch keine vierzig, also jünger als ich es jetzt bin. Ich war nie sein Schüler und habe doch viel von ihm gelernt. Dies geschah beim Essen, auf Spaziergängen, beim Teetrinken, eigentlich immer wenn ich ihn traf. Dabei sei das wichtigste nicht vergessen: Die vielen Konzerte, die ich von ihm hörte. Die Musik von Cage, Kagel und Ligeti, von Satie und Ives, aber auch von Josquin de Pres und Frescobaldi habe ich als Kind in der Kirche Wellingsbüttel kennengelernt. Das Bildnis eines grimmig dreinschauenden Luther, der uns beim Zuhören beobachtete, ist mir noch in Erinnerung.

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